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Tradition

Tapetenkunde

Geschichte der Tapete

 

In allen Kulturen und zu allen Zeiten haben Menschen die „eigenen vier Wände“ dekoriert, verkleidet und geschmückt. Eindrucksvolle Fels- und Höhlenmalereien, Mosaike und Fresken sowie Wandbekleidungen aus geprägtem, vergoldetem Leder und mit floralen, mauresken Ornamenten belegen: Wandgestaltung und -schmuck sind so alt wie die Menschheit.

 

Die ersten bedruckten Wandpapiere für bürgerliche Haushalte stammen aus dem 14. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Papierherstellung noch als handwerkliche Kunst galt. Erst die Kombination von Papierherstellung und Druck ermöglicht eine Art Serienfertigung: In französischen und englischen Papiermanufakturen entstehen als Vorläufer der Tapete die sogenannten Dominotiers. Sie werden bereits im 17. Jahrhundert mit Modeln aus Holz gedruckt und haben Rapportmuster, die eine fortlaufende Flächengestaltung erlauben – eine Drucktechnik, die sich bereits im Stoffdruck bewährt hatte.

 

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kommen in England erste raumhohe Tapetenbahnen auf, die aus zusammengeleimten, handgeschöpften Papierbahnen bestehen. Mit der Zeit entwickelt sich zudem eine immer ausgeklügeltere Handdrucktechnik. Handbemalt oder mit Schablonen und Holzmodeln bedruckt entsteht eine breite Palette verschiedenster Dessins. Den Höhepunkt der Entwicklung stellen die Panoramatapeten dar. Auf bis zu 32 Tapetenbahnen, die allesamt mit Holzmodeln bedruckt werden, zeigen sie imposante Kriegsschauplätze, Stadtansichten und Landschaften.

 

Die Erfindung des Rundschöpfsiebes macht um 1830 die Herstellung von Endlospapier möglich. Der erste Schritt zur industriellen Produktion der Tapete ist damit vollzogen. Die anfangs noch dampfbetriebenen Maschinen des Rotationsdrucks ermöglichen nicht nur eine Produktionssteigerung, sondern auch günstigere Preise. Die Herstellung der Walzen ist jedoch noch kunsthandwerklich und wenig rational: Die massiven Holzwalzen werden von Formstechern kunstvoll mit Metallstegen bestückt und größere Farbflächen mit Filz ausgefüllt. Erst die Einführung des Nacheinanderdrucks einzelner Farben auf modernen sogenannten Schnell-Läufern machten die Tapetenherstellung schließlich effizient und flexibel.

 

Tapetenarten

 

Tapete ist nicht gleich Tapete. Tapeten bieten eine nahezu unendliche Vielfalt bei Oberflächenstruktur, Farbqualität, evtl. Beschichtung und im Trägermaterial. Die Zahl der Druckgänge bzw. Farben, die Drucktechniken und Materialien bestimmen letztlich den Produktionsaufwand und damit den Preis der Tapete. Die DIN EN 235 unterteilt Wandbekleidungen dem Material nach in zwei Haupt- und acht Untergruppen. Bei so viel Auswahl ist für jeden etwas dabei.

 

Vliestapeten
Der große Vorteil von Wandbekleidungen auf Vliesbasis ist ihre besonders leichte Verarbeitbarkeit » hier, in erster Linie das Wegfallen der Weichzeit – die Vliestapete kann direkt nach dem Einkleistern angebracht werden. Das Material ist dimensionsstabil und kann kleinere Risse überbrücken bzw. kaschieren. Wegen ihrer Wasser- und Dampfbeständigkeit können Vliestapeten auch sehr gut in Nassbereich und Küche eingesetzt werden. Außerdem lassen sie sich beim späteren Renovieren rückstandslos entfernen und trocken von der Wand abziehen, wenn die Untergrundvorbereitung und das Tapezieren nach Herstellerangaben durchgeführt wurden.

 

Papiertapeten
bestehen oft aus Recyclingpapier, das mehrfarbig bedruckt ist. Prägetapeten werden unter Druck reliefartig geprägt und gleichzeitig bedruckt, als sogenannte Duplextapete auch in der hochwertigen zweilagigen Prägung. Die Qualität von Papiertapeten bemisst sich nach ihrem Rohgewicht.

 

Textiltapeten
sind auf Papierträger kaschierte Textilgewebe mit sich kreuzenden Fäden oder textilen Kettfäden, bei denen die Fäden nur in Längsrichtung mit dem Träger verklebt sind. Zusätzlich können Textiltapeten im Siebdruckverfahren bemustert und gefärbt werden.

 

Naturwerkstofftapeten
Diese speziellen Wandbeläge werden teilweise noch in Handarbeit hergestellt und gestaltet. Von Gras oder Blättern bis hin zu Kork sind bei der Wahl des Materials hier keine Grenzen gesetzt. Die Oberfläche wirkt dabei immer lebhaft.

 

Kunststoffwandbekleidungen
sind Wandbekleidungen, deren Oberfläche mit expandiertem Kunststoff  3-dimensional gestaltet ist. Der Auftrag erfolgt im Siebdruck. Sehr feine Verformungen erreicht man durch Heißprägen. Diese Strukturprofiltapeten gibt es mit Papierträger und ganz ohne Trägermaterial.

 

Metalleffektwandbekleidung
Hauptsächlich aus dünner Aluminiumfolie gefertigt, die auf Papier oder Vlies kaschiert wird. Optische Effekte werden mit einem lasierenden Farbüberzug oder dem Ätzen und Oxidieren der Oberfläche erzielt. Neben diesen aufwändigen Techniken etablieren sich mit Hilfe von Interferenzpigmenten erzeugte Metalleffekte als Alternative.

 

Wandbildtapete
Durch die digitale Drucktechnik erlebt die Foto- bzw. Wandbildtapete eine echte Renaissance. Künstler und Designer können sich in wandfüllenden, aus mehreren Teilen zusammengesetzten Motiven verwirklichen. Auch die Möglichkeit, mit eigenen Bildern Fototapetenunikate herzustellen, erfreut sich wachsender Beliebtheit.

 

Überstreichbare Wandbekleidung
Tapeten dieser Kategorie gibt es in einer Vielzahl an Materialien. Von Produkten aus Glasfaser über Kunststoff bis zu Textilien. Und auch in diesem Segment ist die Vliestapete auf dem Vormarsch, wegen der praktisch unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten besonders beliebt in Verbindung mit Strukturelementen.

 

Quelle: Dt. Tapeten-Institut GmbH - www.tapeten.de

 

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